Die Innere-Kind-Arbeit – Wie die liebevolle Beziehung zu dir selbst beginnt

Warum wir uns oft so schwer tun, eine Familienaufstellung zu machen. Blogartikel über das Familienstellen nach Bert Hellinger

Wir alle tragen sie in uns – verschiedene Stimmen, Empfindungen, Stimmungen, Reaktionen. Mal fühlen wir uns sicher und klar, dann wieder ängstlich, verletzt, bedürftig oder wütend. Diese Wechsel der inneren Zustände sind kein Zeichen von Schwäche oder Unklarheit – sie sind ein Ausdruck unserer inneren Vielschichtigkeit.

Die Innere-Kind-Arbeit lädt uns ein, uns selbst besser zu verstehen und all diese Anteile liebevoll in unser Herz zu nehmen. Denn das, was in unserem Leben oft schmerzt oder festhängt, hat seine Wurzeln nicht im Hier und Jetzt – sondern in den Erfahrungen unseres inneren Kindes.

Warum die Beziehung zu uns selbst alles verändert

Viele von uns suchen im Außen nach Halt, nach Liebe, nach Anerkennung oder Heilung. Doch was, wenn die wichtigste Beziehung, die du in deinem Leben führen wirst, die zu dir selbst ist?

Die Art, wie du mit dir umgehst – wie du dich wahrnimmst, beruhigst, mit dir sprichst und auf dich schaust – beeinflusst jede andere Beziehung. Wenn du lernst, dich selbst in deiner Tiefe zu verstehen, entsteht ein inneres Zuhause. Ein Ort, an dem du dich sicher, geliebt und gesehen fühlst – unabhängig davon, wie das Außen gerade aussieht.

Und genau hier setzt die Innere-Kind-Arbeit an.

Welche inneren Anteile gibt es eigentlich?

Die Arbeit mit dem inneren Kind ist ein Teil eines größeren psychologischen Verständnisses: Wir bestehen aus verschiedenen inneren Anteilen, die in bestimmten Situationen „ans Steuer“ unseres Bewusstseins treten. Einige dieser Anteile sind:

Das verletzte innere Kind

Dieser Anteil steht für unsere alten Verletzungen, Enttäuschungen und schmerzhaften Erfahrungen – oft aus unserer Kindheit. Er sehnt sich nach Sicherheit, Liebe, Anerkennung. Er hat Angst, sich erneut zu öffnen oder verlassen zu werden.

Das freie, lebendige Kind

Das ist der Teil in uns, der spielt, lacht, neugierig ist – offen, kreativ und voller Lebensfreude. Oft wird dieser Anteil im Laufe des Lebens verdrängt, wenn wir lernen mussten, „brav“ oder „funktional“ zu sein.

Der innere Kritiker

Eine oft sehr laute Stimme. Sie entstand meist, um uns zu „schützen“ – durch Anpassung, Kontrolle oder Selbstoptimierung. Doch sie tut das auf eine harte Weise: mit Selbstvorwürfen, Druck, Schamgefühlen.

Der innere Erwachsene

Das ist der Anteil, der heute liebevoll führen, zuhören und regulieren kann. Der weiß: Ich bin heute erwachsen, ich habe Ressourcen. Ich kann meinem inneren Kind die Geborgenheit geben, die ihm einst gefehlt hat.

Innere-Kind-Arbeit heißt: Mitfühlend hinschauen – nicht analysieren

Innere-Kind-Arbeit ist keine Technik, um „schnell etwas loszuwerden“ oder „endlich zu funktionieren“. Es ist eine Einladung zur Beziehung mit dir selbst.

Statt die schmerzhaften Gefühle wegzudrücken, darfst du ihnen zuhören:

  • Was braucht mein inneres Kind gerade?

  • Was hat es früher erlebt?

  • Was hat es damals gefühlt – und was davon trage ich heute noch in mir?

  • Wie kann ich heute, als Erwachsene*r, liebevoll auf diesen Teil reagieren?

Beispiele für heilsame innere Selbstgespräche:

 „Ich sehe, dass du traurig bist. Du hast lange geschwiegen. Jetzt darfst du da sein.“

 „Du hast damals so sehr nach Liebe gesucht – und sie oft nicht bekommen. Aber ich bin heute für dich da.“

„Du bist nicht schuld. Du warst einfach klein. Und jetzt darfst du heil werden.“

Erst durch liebevolle Integration entsteht innere Freiheit

Es geht nicht darum, bestimmte Gefühle zu „reparieren“. Sondern sie da sein zu lassen – mit liebevoller Präsenz. Die Verletzungen von früher verlieren ihre Macht, wenn wir heute als liebevoller innerer Erwachsener reagieren können. Wenn du alle deine inneren Anteile mit Mitgefühl anschaust – auch den ängstlichen, traurigen, bedürftigen Teil – dann beginnt wahre Heilung.

Innere-Kind-Arbeit ist ein Weg der Erinnerung: daran, dass du es wert bist, dich selbst zu lieben. Dass du deine alten Wunden nicht verstecken musst. Dass es einen Ort in dir gibt, der größer ist als jede Angst – und dieser Ort bist du selbst.

Wenn du dich auf diesen Weg machst, wirst du vielleicht zum ersten Mal erfahren, wie es ist, wirklich bei dir anzukommen.

Und das ist das Schönste, was du dir selbst schenken kannst.

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