Warum es uns so schwerfällt, hinzuschauen – über den Widerstand im Familienstellen

Es gibt kaum ein Thema, das so viele Emotionen auslöst wie das Familienstellen.Schon das Wort lässt bei manchen Menschen etwas in sich zusammenzucken – zu groß, zu unübersichtlich, zu nah. […]

Warum wir uns oft so schwer tun, eine Familienaufstellung zu machen. Blogartikel über das Familienstellen nach Bert Hellinger

Es gibt kaum ein Thema, das so viele Emotionen auslöst wie das Familienstellen.
Schon das Wort lässt bei manchen Menschen etwas in sich zusammenzucken – zu groß, zu unübersichtlich, zu nah.

Vor einiger Zeit sagte eine Klientin zu mir mit einem leichten Lächeln, sinngemäß: „Also, dieser Hellinger hatte ja sowieso nicht alle Tassen im Schrank.“

Und ich spürte, dass das kein Spott von ihr war, denn sie selbst ist schon jahrzehntelang auf dem spirituellen Weg. Ich spürte genau, dass es sich um einen Schutz handelte. Mit diesem Satz versuchte sie etwas zu entwerten, das die Gefahr in sich verbarg, zu nahe kommen zu können.
Denn sobald es um die Familie geht – um Mutter, Vater, Kinder, Herkunft, Schuld, Verstrickung – berühren wir die Schichten, die am tiefsten in uns wirken. Dort, wo unser Nervensystem gelernt hat, was Liebe bedeutet. Und wo auch die alten Loyalitäten liegen, z.B.: „Ich darf nicht glücklicher sein als du.“

Der natürliche Widerstand

Wenn wir uns dem Familienstellen nähern, begegnen wir fast immer einem inneren Widerstand. Es wäre schon fast komisch, wenn es anders wäre, wie gesagt handelt es sich um die tiefsten Verbindungen in unserem Leben und die damit verbundenen, tiefsten Gefühle. Das schöne ist, dass dieser Widerstand gar nicht „wegmuss“. Wir können ihn wie einen Hüter an der Schwelle betrachten, er sagt: „Schau nicht zu tief, sonst verlierst du den Halt.“ Und genau dieser Halt ist es, den wir als Kinder gebraucht haben – manchmal um den Preis, dass wir heute nicht frei atmen können. Aber heute, als Erwachsene, müssen wir uns von diesem Widerstand nicht ins Boxhorn jagen lassen, er darf da sein, mit all seinen Gefühlen von Unsicherheit, Ärger usw. und wir können trotzdem weitergehen.

Und es ist so hilfreich, so erfahre ich es, wenn wir wissen, warum es sich so gefährlich anfühlt, auf die eigene Familie zu blicken.
Denn tief in uns weiß etwas: Wenn ich beginne, wirklich hinzuschauen, könnte sich etwas verändern – und Veränderung bedeutet immer auch Abschied vom Alten.

Wenn sich etwas anderes zeigt

Noch etwas beobachte ich, was uns vom Familienstellen zurückschrecken lässt: Viele Menschen kommen mit einem klaren Anliegen in eine Aufstellung:
„Ich will endlich meine Angst verstehen.“
„Ich möchte Frieden mit meinem Ex-Partner.“
„Ich will meine Berufung finden.“

Und dann geschieht etwas Unerwartetes. Plötzlich taucht die Mutter auf – oder der Großvater, eine vergessene Geschichte, ein Schmerz, den keiner fühlen konnte.

Das System zeigt, was gesehen werden will, nicht, was wir sehen wollen. Und genau darin liegt die Schönheit dieser Arbeit, die zugleich erschreckend sein kann, aber immer wahrhaftig ist:
Sie folgt nicht unserem Plan, sondern einem größeren Ordnungsprinzip –
dem Feld des Wissens, das Rupert Sheldrake das morphische Feld nennt.
Darin ist alles gespeichert, was war – und auch die Möglichkeiten, wie es werden kann, wenn Heilung geschieht.

Sich einem größeren Bewusstsein anvertrauen

Familienstellen ist kein Werkzeug, sondern eine Haltung, so erlebe ich es. Es verlangt von uns, den Mut zu haben, nicht zu wissen.
Wir lassen die Kontrolle los – und erlauben, dass etwas durch uns geschieht. Und es verlangt von uns die Gefühle, die vielleicht schon seit Generationen nicht gefühlt wurden, endlich zu fühlen. Das ist für mich einer der wichtigsten Punkte beim Aufstellen – denn wenn wir uns von der Aufstellung nicht berühren lassen, dann war sie quasi für die Katz.

Und dann geht es oft gar nicht darum, sofort Lösungen zu finden, sondern darum, den ersten ehrlichen Blick zu wagen:
„Ja, so war es. Und ja, das hat gewirkt.“

In dem Moment, in dem wir hinschauen, ohne zu bewerten, beginnt sich das System zu entspannen.
Es ist, als würde die Seele sagen: Endlich wird gesehen, was wahr ist.

Das Geschenk hinter dem Widerstand

Wenn du dich also dabei ertappst, wie du innerlich denkst: „Ach, das ist doch alles esoterischer Quatsch“, dann lade ich dich ein deinem Widerstand einfach zuzulächeln, denn er zeigt dir nur, dass etwas in dir gerade behutsam berührt wird.

Das Aufstellen ist für mich kein magischer Trick –
es ist ein stilles Sich-Erinnern daran,
dass wir Teil eines größeren Ganzen sind.

Und manchmal genügt es, einfach dort zu stehen, inmitten dieses Feldes, und zu spüren: Ich muss es nicht mehr allein tragen.

Vielleicht ist das der Anfang: nicht mehr alles verstehen zu wollen, sondern dich führen zu lassen von etwas, das größer ist als du.

Warum es uns so schwerfällt, hinzuschauen – über den Widerstand im Familienstellen

Es gibt kaum ein Thema, das so viele Emotionen auslöst wie das Familienstellen.Schon das Wort lässt bei manchen Menschen etwas in sich zusammenzucken – zu groß, zu unübersichtlich, zu nah. Vor einiger Zeit sagte eine Klientin zu mir mit einem leichten Lächeln,...

Die Innere-Kind-Arbeit – Wie die liebevolle Beziehung zu dir selbst beginnt

Wir alle tragen sie in uns – verschiedene Stimmen, Empfindungen, Stimmungen, Reaktionen. Mal fühlen wir uns sicher und klar, dann wieder ängstlich, verletzt, bedürftig oder wütend. Diese Wechsel der inneren Zustände sind kein...

Wenn Meditation (noch) nicht gelingt und wie wir Schritt für Schritt zu uns selbst finden

Du setzt dich hin, willst einfach nur atmen, wahrnehmen, was du im Körper spürst und was du fühlst … und nach wenigen Sekunden öffnest du die Augen wieder, dein Körper wird unruhig, dein Kopf wirft dir To-do-Listen, Selbstkritik oder düstere Gedanken vor die Füße. Du...

Der Soldat in Gefangenschaft – und wie durch Mitgefühl Würde zurückkehrt

Es war eine kraftvolle Aufstellung gestern bei meinem Aufstellungstag in Aachen, wo sich 5 Frauen und 3 Männer aus ganz Deutschland getroffen haben zum sog. stillen Familienstellen - eine ganz besondere Art des Familienstellens, wo so gut wie nicht gesprochen wird und...

Was Ostern uns wirklich zeigt – der Weg von der Dunkelheit ins Licht!

Ostern ist für viele ein Fest der Hoffnung, der Auferstehung und des Neuanfangs. Und doch vergessen wir oft, dass dieser Neubeginn nicht ohne das Durchschreiten der Dunkelheit möglich ist. Die Geschichte von Jesus ist nicht nur eine religiöse Überlieferung – sie ist...

Fühl dich wach: Warum wahres Fühlen der Weg zur Erleuchtung ist

Hallo und herzlich willkommen zur allerersten Folge von „Fühl dich wach“ – dem Podcast für alle, die ihr wahres Sein durch echtes Fühlen entdecken wollen: Hier geht es zum Podcast (hier kannst du den Podcast hören oder wenn du lieber liest, hier weiterlesen) Ich freue...

Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit

Unsere Vergangenheit lebt ständig in uns weiter: als innere Kind-Anteile, die sich der äußeren Situation von damals anpassen mussten, um zu überleben. Diese jüngeren Anteile melden sich dann in Situationen, wo sie sich erinnert fühlen an das Schlimme von damals,...

Glück oder Dankbarkeit – was war zuerst?

Glückliche Menschen sind auch immer dankbare Menschen. Doch was war zuerst: Das Glück oder die Dankbarkeit? Um das herauszufinden, wurde ein Versuch durchgeführt. Die Testpersonen wurden in drei Gruppen aufgeteilt: Die erste Gruppe musste auflisten, was sie in der...

„Du hast nicht auf mich geachtet“, antwortete der Fuß

Vor kurzem habe ich eine Frau begleitet, die durch einen Treppensturz in ein Schocktrauma gefallen ist und sich nach der aufwendigen Fußoperation (mit mehreren Schrauben und einer Platte) nicht mehr traute, den Fuß zu belasten....

Männer fühlen auch: Die wachsende Bedeutung der Emotionalität bei Männern

In den letzten Jahren hat sich ein bemerkenswerter Wandel vollzogen: Immer mehr Männer wenden sich ihren Gefühlen zu und erkennen die Bedeutung von Emotionalität für ihre psychische Gesundheit und Beziehungen. Dieser Trend markiert einen wichtigen Schritt in Richtung...